Literaturzeit: Bukowski, Liao, Böhm, Röski, Rietzschel
Lesung und Gespräch mit: Helene Bukowski, Leh-Wei Liao, Louise K. Böhm, Cécil Ludwig Röski, Lukas Rietzschel

In der dritten Zeitschiene (22:00-23:00 Uhr) der Literaturzeit 2026 lesen:
Helene Bukowski: Wer möchte nicht im Leben bleiben
Kleines Haus: Hauptbühne (Magnitorwall 18, 38100 Braunschweig)
Moderation: Maja Beckers
1985 nimmt sich eine junge Pianistin in Neubrandenburg das Leben. Jahrzehnte später stößt die Schriftstellerin Helene Bukowski auf ihre Geschichte. Behutsam nähert sie sich Christina, sucht in ihrer Biografie nach Rissen und Erschütterungen, aber auch nach Augenblicken großen Glücks. Sie lernt einen Vater kennen, der in der Tochter seine eigenen Träume verwirklichen will, eine Mutter, die es liebt, zu fotografieren, und ein Klavier, das unverrückbar in der Wohnung steht. Und sie findet eine Krankheit, für die es erst heute eine Diagnose gibt.
Autorin: Helene Bukowski, geboren 1993 in Berlin, studierte am Literaturinstitut Hildesheim. 2019 erschien ihr Debütroman „Milchzähne“, der für das Kino adaptiert wurde. 2022 folgte „Die Kriegerin“. Ihre Bücher wurden vielfach besprochen und in mehrere Sprachen übersetzt. Heute lebt sie als freie Schriftstellerin wieder in ihrer Geburtsstadt und der Niederlausitz.
Leh-Wei Liao: Glaszeit
Kleines Haus: Aquarium (Magnitorwall 18, 38100 Braunschweig)
Moderation: Julia Schölll
Überlebensgroß. Auf einem Werbedisplay in der unterirdischen Taipei Mall. So sieht die junge Ärztin Novana ihre Mutter wieder, die taiwanische Künstlerin March. Achtzehn Jahre ist es her, dass March sie ohne jede Erklärung in Deutschland zurückließ.
Dann lernt Novana auf einem Karaokeabend Sihan kennen. Eine furchtlose Aktivistin – lebendig, entschlossen. Novana fühlt sich zu ihr hingezogen, und etwas, das längst verloren schien, kehrt in ihr Leben zurück: die Möglichkeit von Nähe.
Eindringlich und radikal klar erzählt Leh-Wei Liao von widerständigen Frauen, von Begehren und Verletzungen und der unsicheren Zukunft Taiwans – und stellt die Frage, wofür es sich zu kämpfen lohnt.
Autorin: Leh-Wei Liao, geboren 1993 in Göttingen, ist Ärztin und studiert zurzeit Bildende Kunst in Kassel. Seit 2022 schreibt sie und hat seither in zahlreichen Literaturzeitschriften veröffentlicht, u.a. in „Jenny“ und „Edit“. 2024 war sie Stipendiatin der Jürgen Ponto-Stiftung und der Kölner Schmiede. Sie ist nominiert für den Deutschen Buchpreis 2026 und den Bayerischen Buchpreis 2026. „Glaszeit“ ist ihr erster Roman.
Louise K. Böhm: Kaskaden
Roter Saal im Schloss (Schlossplatz 1, 38100 Braunschweig)
Moderation: Verena Noll
Wenn Jojo ihre Herkunft einfach ausradieren könnte, würde sie es tun. Zwar hat sie das Vorstadtgrau weit hinter sich gelassen, doch an der Uni hat sie trotzdem ständig Angst, jemand könnte herausfinden, dass sie nicht hierhergehört. Einzig die Arbeit im Labor gibt ihr Halt. Als Jakob in ihr Leben tritt, findet Jojo zu einer neuen Leichtigkeit. Doch dann erhält sie ein Lebenszeichen ihrer ehemals besten Freundin, und plötzlich ist alles wieder da: die Jahre mit Yara, mit der sie mehr Zeit verbrachte als mit ihren eigenen Eltern. Die auf jeden Spruch eine Erwiderung parat hatte. Und die von einem Tag auf den anderen verschwand, obwohl sie doch gemeinsam ausbrechen wollten aus der Vorstadt.
"Kaskaden" erzählt vom Erwachsenwerden in den 2010er-Jahren, von Freundschaft, die brechen und heilen kann und von Liebe in allen Dimensionen.
Autorin: Louise K. Böhm, geb. 2000 in Berlin, studierte nach einem ersten Studium im Medienbereich Literarisches Schreiben, Kulturjournalismus und Kulturpolitik in Hildesheim, bevor es sie beruflich in die Musikbranche und privat nach Hamburg verschlagen hat.
Cécil Ludwig Röski: Trizeps Royal
Schlossmuseum im Schloss (Schlossplatz 1, 38100 Braunschweig)
Moderation: Hanna Engelmeier
König Dedo II. von Sachsen hat ein Imageproblem: zu schlaksig, zu queer, zu introvertiert. Während er von Schloss Buzickitz aus übers Handy regiert und die Öffentlichkeit meidet, bricht sein Privatleben zusammen.
Sein Partner Marfa verlässt ihn und die erzkonservativen Medien ziehen über ihn her. Also beginnt er zu pumpen, um sich als Monarch zu behaupten. Sein Ziel: Ein Herrscher aus Muskelmasse. Doch weder Medienskandale, Liebeskummer noch seine völlig unroyale Schwester lassen sich wegtrainieren und der selbsternannte Thronfolger Arno bringt sich in Stellung. Cécil Ludwig Röski verknüpft Queerness, königliche Männlichkeit und deutsche Geschichte zur klugen Adelsrevue. „Trizeps Royal“ ist eine popkulturelle Tragikomödie über ein Deutschland, das längst keine Monarchie mehr ist, sich aber noch immer nach Autorität sehnt.
Autor*in: Cécil Ludwig Röski, 1994 in Schleswig-Holstein geboren, studierte Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, ist schriftstellerisch tätig, schreibt Drehbücher und erhielt 2025 das Aufenthaltsstipendium des Literarischen Colloquiums.
Lukas Rietzschel: Sanditz
Stadtbibliothek im Schloss (Schlossplatz 2, 38100 Braunschweig)
Moderation: Daniel Graf
Sanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler, Orgelbauer, Fliesensammler, Lokaljournalistinnen, selbsternannte Widerständler, Träumerinnen, Frührentner, Kinder, Liebespaare, verhuschte Archivare und die Familie Wenzel. Warmherzig und multiperspektivisch verwebt Lukas Rietzschel die Erzählung der Familie und der Sanditzer Stadtbewohner zu einem Panorama deutscher Geschichten
Autor: Lukas Rietzschel, geboren 1994 in Räckelwitz. Schon sein Debütroman „Mit der Faust in die Welt schlagen“ (2018) war ein Bestseller, der für das Kino verfilmt wurde. 2021 erschien der zweite Roman „Raumfahrer“. Lukas Rietzschels Romane und Theaterstücke wurden vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Sächsischen Literaturpreis, dem Literaturpreis Text & Sprache und dem Rheingauer Literaturpreis 2026. Sein Roman „Sanditz“ ist ein Bestseller, nominiert für die Longlist des Deutschen Buchpreises 2026.