Feridun Zaimoglu: Sohn ohne Vater

Donnerstag, 12.2.2026 / 19.00 Uhr
Literaturbüro Westniedersachsen

Lesung und Gespräch

Feridun Zaimoglu (c) Melanie Grande

Die unvergessliche Reise eines trauernden Sohns zum Grab des Vaters

»Sohn ohne Vater« erzählt auf mitreißende, eindringliche Weise von einem trauernden Sohn, vom Zusammenhalt einer Familie, der trügerischen Erinnerung und einer Reise in ein fremdes Land – zur Mutter und zum toten Vater.

Es ist früh am Morgen, als die Mutter anruft, um ihm zu sagen, dass sein Vater gestorben ist. Der Erzähler weiß nicht, was er tun soll. Er ist allein in seinem Schmerz. Wer kann ihm helfen, wer ihn trösten? Nach und nach wird ihm klar: Er muss in die Türkei. Er muss zu seiner Mutter, muss sie stützen – und am Grab des Vaters stehen, um sich von ihm verabschieden zu können.

Der Erzähler, ein Schriftsteller aus Kiel, leidet unter Flugangst. Er bittet zwei Freunde, ihn mit dem Wohnmobil mitzunehmen. Gemeinsam planen sie die Reise: über Linz, Szeged und Edirne bis nach Edremit und zurück. Über fünftausend Kilometer. Es ist der Beginn eines abenteuerlichen, fiebrigen Roadtrips quer durch Europa, der geprägt ist von den flirrenden Erinnerungen an den Vater und seine vielen Leben: an den Ehemann, an den Akkordarbeiter, an den Geschichtenerzähler oder den Siebzigjährigen, dessen gefärbte Koteletten eine ganze Feriensiedlung in Aufruhr versetzen konnten.

Mit seinem neuen Roman stellt sich Feridun Zaimoglu die Frage, wie wir jene erinnern, die uns am nächsten stehen und uns doch manchmal seltsam fremd erscheinen, die uns lieben und prägen, um die wir uns sorgen – und die wir trotz allem irgendwann einmal gehen lassen müssen.

 

Unter anderem für diesen Text wurde Feridun Zaimoglu 2025 mit dem Walter-Kempowski-Preis für biografische Literatur ausgezeichnet. Mit diesem Preis ehrt das Land Niedersachsen seit 2019 Autorinnen und Autoren, denen es mit ihren literarischen Arbeiten gelingt, die Einflüsse und Auswirkungen zeitgeschichtlicher Ereignisse auf die individuelle Biografie darzustellen. Die Jury begründet ihre Entscheidung wie folgt: „Feridun Zaimoglu hat mit seiner kraftvollen Sprache einen neuen Ton in die Gegenwartsliteratur gebracht. Sein Debüt „Kanak Sprak“  gehört längst zum Kanon der deutschsprachigen Literatur. Seither hat Feridun Zaimoglu ein umfangreiches erzählerisches, dramatisches und poetologisches Werk vorgelegt – zuletzt den bewegenden Roman „Sohn ohne Vater“, der von einem Roadtrip eines Schriftstellers von Kiel in die Türkei zum Begräbnis seines Vaters erzählt. In der Tradition Walter Kempowskis beleuchtet Feridun Zaimoglu immer wieder das Ich innerhalb der Gesellschaft, verknüpft Biografisches mit Historischem und lenkt dabei oft den Blick vom Rand des Geschehens ins Zentrum." 

Kai Bremer, Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Freien Universität Berlin wird die Lesung moderieren und mit Feridun Zaimoglu die besonderen Chancen und Herausforderungen des biografischen Schreibens anhand des Romans diskutieren.

 

Veranstalter: Literaturbüro Westniedersachsen

Ort: Renaissancesaal Ledenhof, Am Ledenhof 3-5

Eintritt: 10 € / erm. 8 €

Kartenreservierung:  Literaturbüro Westniedersachsen, Tel. 0541/202-7908 oder per Mail unter LitOs-info@osnabrueck.de