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03.09.19 - 19.30 Uhr – Literaturhaus Hannover

Klartext: Oskar Negt

"Erfahrungsspuren"

Oskar Negt © Gerhard Steidl

Moderator: Stephan Lohr/ Lesung des Textes: Rainer Frank

Oskar Negts autobiographische Spurensuche, die er in Überlebensglück so eindrücklich wie bewegend beschrieben hat, findet nun ihre Fortsetzung im zweiten Teil. Sein Flüchtlingsdasein hat Negt für sich abgeschlossen, sich mit dem Oldenburger Abitur ein Zertifikat der Sesshaftigkeit ausgestellt. Als junger Mann geht Negt an der Frankfurter Universität auf eine „Denk-Reise“. Und das tun viele seines Alters. Die Vorlesungen bei Adorno, Horkheimer und Habermas sind brechend voll, auch wenn sie in einem alten halbzerstörten und kalten Biologiesaal stattfinden. Besonders der Vortragsstil Horkheimers schlägt die Studenten in seinen Bann, der mit seiner Fähigkeit, auch den abwegigsten Fragen seiner Zuhörer einen rationellen Kern abzugewinnen, viele ermutigt, sich am philosophischen Gespräch zu beteiligen.

Negts Studienjahre münden in die Assistenz bei Jürgen Habermas. Während dieser Zeit tritt er mit Vorträgen und Kampfschriften als einer der Wortführer der Außerparlamentarischen Opposition auf, sucht aber auch die öffentliche Auseinandersetzung mit der RAF. Als politischer Intellektueller ist er unbotmäßiger Zeitgenosse, als Wissenschaftler und Denker wandelt er zwischen Soziologie und Philosophie. 1970 wird Negt Professor an der Universität Hannover, doch seine Arbeit bleibt nicht auf die akademische Lehre beschränkt. Als Publizist setzt er sich für die gewerkschaftliche Bildungs- und Kulturarbeit ein, gründet mit der „Glocksee“ ein alternatives Schulmodell und wird später politischer Berater während der rot-grünen Regierungsjahre um Gerhard Schröder, dessen Agenda 2010 er heftig kritisiert.

Oskar Negt, geboren 1934, gilt als einer der bedeutendsten Sozialwissenschaftler Deutschlands. Er studierte bei Max Horkheimer, promovierte bei Theodor W. Adorno in Philosophie und legte zusätzlich sein Diplom in Soziologie ab. 1962 bis 1970 arbeitete er als Assistent von Jürgen Habermas. Während der Studentenbewegung von 1968 trat er als einer der Wortführer der Außerparlamentarischen Opposition auf. Von 1970 bis 2002 war Negt Professor für Soziologie in Hannover. 2011 wurde Oskar Negt für sein politisches Engagement mit dem August-Bebel-Preis geehrt.

Stephan Lohr, geb. 1950, studierte Literatur- und Sozialwissenschaften in Hannover, arbeitete 10 Jahre als Verlagsredakteur und dann als Redakteur beim NDR, wo er seit 1998 die Abteilung Kulturmagazine leitete und von 2008 bis 2014 die Literaturredaktion von NDR Kultur. Heute schreibt er Literaturkritiken und wirkt als Programmberater beim Göttinger Literaturherbst.

Rainer Frank, geb. 1965, studierte an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Bis zum Ende der Spielzeit 2018/19 war er neun Jahre lang festes Ensemblemitglied am Schauspiel Hannover.

Eintritt: 12,-/ 6,- (erm.)

Karten erhalten Sie unter https://www.literaturhaus-hannover.de/karten.html oder 0511 / 168 41 222