Veranstaltungs-Archiv

03.11.11 - 19.30 Uhr – Literaturhaus Hannover

Resonanzen: „Soldatenväter, Nachkriegskinder“

mit Sabine Bode und Kolja Mensing


Moderation: Martina Sulner

Schon seit Jahren beschäftigt sich die Journalistin Sabine Bode mit den bis heute spürbaren Auswirkungen der Kriegstraumata auf deutsche Familien. In ihrem Buch Nachkriegskinder geht sie dabei in die Zeit des Wirtschaftswunders zurück: Man schaute nach vorn. Man funktionierte, baute auf, fragte wenig, jammerte nie, konnte kein Brot wegwerfen – und schwieg sich über den Krieg aus. Dabei wurden die Nachkriegskinder in Familien hineingeboren, auf denen Erfahrungen von Gefangenschaft und Schuld, Bombardierung und Vertreibung lasteten, die Väter waren meist als Soldaten im Krieg gewesen. So treiben bis heute viele Nachkriegskinder Fragen um wie: Wer war mein Vater eigentlich, war er Täter oder Opfer? Und was haben wir aus der Zeit von Krieg und Flucht für unser heutiges Familienleben, für die eigenen Lebensmuster „geerbt“?
Einen sehr persönlichen Zugang zum Thema findet Kolja Mensing in seinem aktuellen Buch Die Legenden der Väter: 1946 wird in Norddeutschland ein Kind geboren. Der Vater ist Pole, Soldat der Besatzungstruppen, die Mutter eine Deutsche. Die Liebe scheitert, und das Kind wächst heran, ohne den Vater je kennen zu lernen. Viele Jahre später macht sich Mensing, der Enkel jenes polnischen Soldaten, auf die Suche. Suggestiv und anschaulich erzählt er von der vorsichtigen Annäherung dreier Generationen, die durch die historischen Verwerfungen des 20. Jahrhundert voneinander getrennt wurden, aber auch davon, wie Erinnerungen in Familien weitergegeben und dabei wie von selbst zu Literatur werden.
Mit Martina Sulner sprechen beide Autoren über den langen Schatten des Krieges, was in den heutigen Familien als Erbe davon bleibt und wie man damit umgehen kann.

Sabine Bode, geb. 1947, lebt in Köln. Sie schreibt Sachbücher und arbeitet für den WDR- und NDR-Hörfunk.

Kolja Mensing, geb. 1971 in Oldenburg, studierte Politikwissenschaft und Geschichte und arbeitet als Redakteur für Deutschlandradio Kultur in Berlin.

Martina Sulner, geb. 1961, hat u.a. für Spiegel Spezial und FR gearbeitet und ist seit 2000 Literaturredakteurin bei der HAZ.

Kooperation: Hannoversche Allgemeine Zeitung


Eintritt: 8,- / erm. 6,-