Veranstaltungs-Archiv

19.01.10 - 19.30 Uhr – Literaturhaus Hannover

Resonanzen: Lukas Bärfuss & Ilija Trojanow

Hegemonie und Eigensinn - Kulturelle Identitäten zwischen Abgrenzung, Vermischung und Einmischung

Moderation: Jutta Rinas

„Das einzig Ewige ist die Veränderung, sagt ein altes Sprichwort. Wenn die westliche Welt sich abschotten will, so glaubt sie also an das Ende der Geschichte. Sie glaubt, daß ihr System das beste und letzte ist, dass die westliche Kultur abgeschlossen und fertig ist. Sie ist dem Tod geweiht.“ schreibt Ilija Trojanow, der mit seinem Roman Weltensammler bekannt wurde. Trojanow ist auf mehreren Kontinenten zu Hause und ein kluger, ebenso offener wie kritischer Beobachter kultureller und sozialer Entwicklungen. In seinen Büchern schlägt er Brücken zwischen den Kulturkreisen und mit Kampabsage entlarvte er gemeinsam mit dem indischen Kulturkritiker Ranjit Hoskoté die Unsinnigkeit der These vom „Kampf der Kulturen“.

Ob eine Kultur, die auf eine andere trifft, sich mit dieser vermischt oder versucht, sich abzugrenzen oder gar die andere Kultur zu vereinnahmen, hat auch mit Machtgefälle zu tun. Über diese und ähnliche Fragen spricht Trojanow – moderiert von Jutta Rinas – mit Lukas Bärfuss, der zu den erfolgreichsten Dramatikern der letzten Jahre zählt.

Bärfuss´ nimmt in seinen Romanen die Frage der hegemonialen Haltung Europas und der USA gegenüber anderen Kulturen in den Blick. Minutiös recherchiert und politisch positioniert schilderte Bärfuss in seinem Roman Hundert Tage u. a. die Fehler der europäischen Politik und Entwicklungshilfe. In seiner neuesten Veröffentlichung, dem Schauspiel Öl, thematisiert der Schweizer Autor Chauvinismus aber auch Verlorenheit in der Fremde und die Verkehrung der Zivilisation in ihr Gegenteil.

Lukas Bärfuss, geb.1971 in Thun/Schweiz, lebt in Zürich, schreibt Theaterstücke und Romane. 2005 erhielt er den Mühlheimer Dramatikerpreis und wurde von der Zeitschrift Theater heute zum Dramatiker des Jahres gewählt. Für seinen Romandebut Hundert Tage erhielt Bärfuss u.a. den Anna-Seghers-Preis.

Ilija Trojanow, geb. 1965 in Sofia, kam als Kind nach Deutschland, lebte zehn Jahre in Kenia, und gründete den Marino Verlag in München. 1999 ging er nach Mumbai, später nach Kapstadt und lebt heute in Wien. Trojanow ist er kuratierte Veranstaltungen und ist Herausgeber der Buchreihe „Weltlese. Lesereisen ins Unbekannte“. Er erhielt u.a. den Adelbert-von-Chamisso-Preis 2000, den Preis der Leipziger Buchmesse 2006 und den Preis der Literaturhäuser 2009.

Eintritt: 8,- / erm. 6,- Euro
Kooperation: HAZ