Veranstaltungs-Archiv

30.05.12 - 19.30 Uhr – Literaturhaus Hannover

Resonanzen: "Anpassung und Eigensinn"

mit Irena Brezná und Hilal Sezgin

 

Moderation: Martina Sulner

Wie anpassungsfähig muss und wie eigensinnig soll ein Mensch sein? Und wer setzt die Maßstäbe? Hilal Sezgin und Irena Brezná – beide schriftstellerisch und journalistisch tätig, die eine als Tochter einer Deutschen und eines Türken in Frankfurt a.M. geboren, die andere 1968 aus der Tschechoslowakei in die Schweiz immigriert – werfen einen kritischen Blick auf unsere Vorstellungen von Anpassung und Eigensinn und fragen, welche Rolle Pluralismus und soziale Gerechtigkeit dabei spielen.

1968 verschlägt es die junge Erzählerin in Breznás Roman Die undankbare Fremde in die Schweiz, ein Paradies von bizarrer Saturiertheit, voller Kehrmaschinen und Ordnungshüter. Im kühlen Licht der Fremde vermisst die Heranwachsende die unordentliche Geborgenheit der Heimat und lernt als Dolmetscherin für die Behörden etliche andere Gestrandete kennen. So ungeschützt und schonungslos gegen sich und andere hat noch keiner über die Emigration geschrieben – ein kleiner Roman mit großer Sprengkraft, der auf engstem Raum Aufbegehren, schwarzen Humor und Menschlichkeit vereint.

Hilal Sezgin hat zuletzt das Manifest der Vielen herausgegeben, das sich anlässlich der Sarrazin-Debatte als „Gegengift und Pflichtlektüre“ versteht. Autorinnen und Autoren wie Feridun Zaimoglu, Ilija Trojanow und Hatice Akyün schreiben über ihr Leben in Deutschland, über Heimat und Identität. Ergebnis ist eine Vielfalt der Stimmen für „das Eigenrecht gelebten Lebens" sowie die Erkenntnis, dass es „die typische Türkin“ ebenso wenig gibt wie „den typischen Deutschen“.

Irena Brezná, geb. 1950 in Bratislava, lebt seit 1968 als Journalistin, Schriftstellerin, Slawistin, Psychologin und Menschenrechtlerin in der Schweiz und erhielt u.a. den Theodor-Wolff-Preis.

Hilal Sezgin, geb. 1970, studierte Philosophie und arbeitete dann im Feuilleton der FR. Seit 2007 lebt sie als freie Autorin und Journalistin in der Lüneburger Heide. 2010 erhielt sie den European Muslim Women of Influence Award.

Martina Sulner, geb. 1961, hat als Journalistin u.a. für Spiegel Spezial und FR gearbeitet und ist seit 2000 Literaturredakteurin bei der HAZ.

In Zusammenarbeit mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.

Eintritt: 8,- / erm. 6,- Euro
Kartenvorverkauf bei der Kasse im Künstlerhaus, Tel. 168 41 222, Mo - Fr 12 - 18 Uhr.