Veranstaltungs-Archiv

01.02.11 - 19.30 Uhr – Literaturhaus Hannover

NDR kultur – Autoren lesen: Giwi Margwelaschwili

„Vom Tod eines alten Lesers“

Moderation: Natascha Freundel

Die Berliner Zeitung erklärte Giwi Margwelaschwili zum „Jahrhundertautor“. Er selbst definiert sich als „Schriftsteller, Philosoph und Ontotextologe“. Laut seiner ontotextologischen Philosophie sind die Texte (der Geschichte, Religionen und politischen Ideologien) immer schon vor uns da, bestimmen unser Leben und sind insofern auch mächtiger als das Leben. In einer Erzählung des Bandes Vom Tod eines alten Lesers wirkt der Text sogar bis übers Sterben hinaus: Darin wird ein alter Mann tot aufgefunden, sein Kopf liegt auf dem Buch, in dem er eben noch ein Gedicht gelesen hatte – und in dem Gedicht lebt der Geist des Mannes nun weiter...

1927 in Berlin als Sohn georgischer Emigranten geboren und aufgewachsen, erlebte Margwelaschwili die Macht zweier Diktaturen und ihrer suppressiven Texte am eigenen Leib: des NS- ebenso wie des Sowjet-Regimes. Er gehörte der von den Nazis verfolgten Swingjugend an. Und 1946 wurden er und sein Vater vom sowjetischen Geheimdienst verhaftet, sein Vater ermordet und Giwi nach Georgien deportiert. Erst 1987 durfte er wieder nach Deutschland ausreisen – zusammen mit etlichen in der Emigration auf Deutsch geschriebenen Romanen und Erzählungen, die autobiografisch, zeitdokumentarisch, poetisch, fantastisch, philosophisch und politisch zugleich sind.

Giwi Margwelaschwili studierte in Tiflis Germanistik und lehrte Deutsch. Seit 1993 ist Berlin wieder sein ständiger Wohnsitz. Er erhielt u.a. 2006 die Goethe-Medaille und 2008 das Bundesverdienstkreuz.

Natascha Freundel, geb. 1974, studierte Philosophie, Germanistik und Slawistik, arbeitet als freie Journalistin u.a. für NDR Kultur und Deutschlandfunk und lebt in Berlin.

Eintritt: 8,- /  6,-
Vorverkaufskasse im Künstlerhaus, Mo-Fr 12-18 Uhr, Tel.: 0511 - 1684 1222

Die Veranstaltung wird von NDRkultur aufgezeichnet und am 20.02. im Sonntagsstudio ab 20.00 Uhr gesendet.