Veranstaltungs-Archiv

19.09.13 - 19.30 Uhr – Literaturhaus Hannover

Lyrikfest „Gegenstrophen“

mit Silke Scheuermann, Nico Bleutge, Steffen Popp und Ron Winkler

Musikalische Interventionen: Robin Hoffmann Moderation: Michael Braun und Cornelia Jentzsch Gedichte sind Räume, die man betreten kann. Und wir laden dazu ein, neue Räume zu betreten: solche die hermetisch wirken und solche, die ins Offene führen. Beim Lyrikfest stellen wir - immer auf der Suche nach der poetischen Grammatik unserer Zeit - auch dieses Jahr einige der wichtigsten Stimmen deutschsprachiger Gegenwartslyrik vor. Während Silke Scheuermanns Gedichte wie selbstverständlich Mythisches mit Alltäglichem verknüpfen und uns Fremdes anverwandeln, lässt Nico Bleutges Wahrnehmungsempfindlichkeit die Bewegungen scheinbar stiller Landschaften sichtbar werden. Steffen Popps rätselhafte Verse ziehen den Leser an, ohne sich je zu erklären, und lassen ihn sich auf aufregendste Weise im Dickicht der Dichtung verirren. Und in der Lyrik Ron Winklers entdecken wir bestechende Sätze, die den Zeitgeist pointieren und die Wirklichkeit zugleich neu auffalten. Silke Scheuermann, geb. 1973 in Karlsruhe, debütierte 2001 mit dem glänzend gelobten Lyrikband Der Tag an dem die Möwen zweistimmig sangen. Es folgten weitere Gedichte, Romane und Erzählungen und ein Kinderbuch, zuletzt erschienen ihre gesammelten Gedichte. So poetisch und akzentuiert Scheuermanns Prosatexte wirken, so episch mutet ihre Lyrik an. Ihre Gedichte erzählen von der Liebe und anderen Verwandlungen, lassen Mythisches mit Lakonischem korrespondieren - wie Medusa mit einem Frisör oder Nixen mit Stöckelschuhen - und lassen so nie gekannte und doch unbewusst vertraute Bilder. aufsteigen Die in Offenbach/Main lebende Autorin wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit Droste-Preis 2009. Nico Bleutge, geb. 1972 in München, debütierte 2006 mit dem Gedichtband klare konturen, 2013 erschien sein fünfter Gedichtband verdecktes gelände. In seinen formsicheren und klug rhythmisierten Gedichten werden die subtilen Transformationen stiller Umgebungen sichtbar, die wie alles in der Natur Strömungen und Verwehungen ausgesetzt sind – so wie sich in der Kulturlandschaft Spuren der Geschichte finden und auch die Erinnerung fluiden Prozessen unterliegt. Bleutge gelingt eine moderne Neubestimmung des Landschaftsgedichts mit Leichtigkeit und doch präziser Feinheit der Sprache und Wahrnehmung. Der in Berlin lebende Autor erhielt dafür u.a. den Erich-Fried-Preis 2012. Er arbeitet als freier Literaturkritiker, u.a. für die SZ, NZZ und den Tagesspiegel. Steffen Popp, geb. 1978 in Greifswald, ist Initiator des Poetik-Projekts Helm aus Phlox. In seinem Debüt Wie Alpen (2004) ließ Popp wunderschöne, rätselhafte Bilder entstehen, die den Leser spontan anziehen und sich ihm zugleich nie ganz zu erkennen geben. Reihum hingerissen reagierten die Kritik auch auf den folgenden Band Kolonie Zur Sonne, als eins der faszinierendesten Sprachereignisse in der Lyrik der letzten Jahre. Popps lebendige und hoch anregende Kompositionen sind – zuletzt in Dickicht mit Reden und Augen (2013) – offen für die unterschiedlichsten Tonlagen und Diskurse und so skeptisch wie betörend. Seine Arbeiten wurde u.a. mit dem Leonce-und-Lena-Preis 2011 gewürdigt. Seine Gedichte erscheinen regelmäßig in der FAZ.  Ron Winkler, geb. 1973 in Jena, lebt als Lyriker und Übersetzer in Berlin. Durch seine mehrfach ausgezeichneten Gedichtbände und zahlreichen Herausgeberschaften hat er sich längst als einer der wichtigsten Vertreter der jüngeren deutschen Lyrik ausgewiesen. Winkler bringt die Stimmung dieser Tage mit großer Leichtigkeit auf den Punkt, in seinen lyrischen Skizzen wimmelt es von großartigen Sätzen und überraschend hergestellten Zusammenhängen, die die Sprache wie die Wirklichkeit neu auffalten – pointiert und bestechend. Waren Winklers letzte Gedichtbände geprägt von Naturlyrik und geschichtsphilosophischen Anspielungen - freilich immer ironisch, delikat und eigensinnig -, wird er in Prachtvolle Mitternacht (2013) nun zum Minnesänger und erzählt - so mag man Roland Barthes variieren - von der Defragmentierung einer Sprache der Liebe. Robin Hoffmann, geb. 1970 in Gadderbaum, tritt als Komponist für diverse Instrumental- und Vokalformationen sowie als Interpret eigener Werke auf. Seine künstlerische Tätigkeit umfasst Projekte mit Künstlern anderer Sparten, Arrangements für Rockbands, Bodypercussion und experimentelle Improvisation (Engagements als Solist bei Klangforum Wien, Ensemble Modern u.a.). Er lebt freischaffend als Komponist und Gitarrist in Frankfurt/Main und ist Dozent für Musiktheorie an der dortigen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. Beim Lyrikfest führt Robin Hoffmann drei kurze Kompositionen auf, bei denen er u.a. eine sonst für die Jagd verwendete Lockpfeife sowie seinen eigenen Körper als Instrumente einsetzt. Seine musikalischen Erforschungen lassen Misch- oder "Wolpertinger-Klänge" entstehen und reflektieren neben ihrer sinnlichen Qualität den Vorgang des Hörens selbst. Eintritt: 9,- / erm. 6,- Euro