Veranstaltungs-Archiv

11.09.12 - 19.30 Uhr – Literaturhaus Hannover

Lyrik im Literaturhaus: „Gegenstrophen“

mit Klaus Merz, Alexander Nitzberg, Monika Rinck und Andre Rudolph

 

Musik: melkbook
Moderation: Michael Braun, Cornelia Jentzsch und Martin Rector

Mit dem Lyrikfest geben wir der Poesie eine Bühne und stellen – auf der Suche nach der poetischen Grammatik unserer Zeit – einige der wichtigsten Stimmen deutschsprachiger Gegenwartslyrik vor: Zurückhaltung und Treffsicherheit begegnen wir in den Gedichten von Klaus Merz, während uns Andre Rudolphs Lyrik schräge Schönheit und Aberwitz inmitten dessen zeigt, was man Wirklichkeit nennt. Wir erleben das ganz gegenwärtige Spielen auf der klassischen Klaviatur der Dichtung in den gereimten Zeilen Alexander Nitzbergs und staunen über die Gleichzeitigkeit von Denkvergnügen und Sinnverführung, wenn Monika Rinck als Stimmvirtuosin mal mit süßer, mal mit höhnischer Stimme zu uns spricht.

Klaus Merz genügen „wenige Pinselstriche, um zum Kern der Dinge zu gelangen und die schwankenden Fundamente des Weltgebäudes freizulegen“ (Michael Braun). Merz´ Werk ist geprägt von schnörkelloser Sprache und hintergründigem Humor. In seiner dem Haiku verwandten Lyrik zeigt er sich als Meister der Balance zwischen den Verheerungen des Lebens und Momenten des Glücks. Der Dichter und Prosaist, 1945 in Aarau geboren, gehört  zu den außerordentlichen Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Zuletzt erschienen von ihm der Gedichtband Aus dem Staub (2010) sowie die ersten drei Bände seiner Werkausgabe. Merz lebt in Unterkulm/Schweiz. Er erhielt viele Auszeichnungen, zuletzt den Friedrich-Hölderlin-Preis und Basler Lyrikpreis 2012.

Alexander Nitzberg, geboren 1969 in Moskau, reiste 1980 nach Deutschland aus, wo er Musik, Germanistik und Philosophie studierte. Sein literarisches Handwerk hat er u.a. von den russischen Dichtern gelernt, von denen er viele überragend ins Deutsche übersetzte. Nitzbergs Lyrik scheut sich nicht vor expressionistischen und surrealistischen Anklängen, vor Versmaß und Reim. Peter Rühmkorf lobte ihn einst für seinen "poetischen Gleichniszauber". 2012 ist Nitzbergs Gedichtband Farbenklavier erschienen – kosmische, magische, virtuose Verse! Der vielfach ausgezeichnete Mitherausgeber der deutschen Daniil-Charms-Edition übersetzte zuletzt Bulgakows Meister und Margarita. www.nitzberg.de

Monika Rinck führt uns poetisch und originell in labile Zwischenreiche der Sprache. Das Schreiben von Gedichten vergleicht sie mit einem "rhythmischen Zeremoniell", gleich dem "Nestbau", wobei ein Vers "Schutz, Werbung und Verführung gleichermaßen beherberge". Ihre Lyrik steckt voller Imaginationskraft, intellektueller Lebendigkeit und literarischer Anspielungen. 2012 erschienen die Prosagedichte Honigprotokolle. Rinck lebt in Berlin und lehrte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Zuletzt erhielt sie den Berliner Kunstpreis Literatur. Gemeinsam mit Ann Cotten und Sabine Scho tritt Rinck als Rotten Kinck Schow auf.

Andre Rudolphs Gedichte zeugen von Wirklichkeitsbewältigung mittels melancholischem Humor, von der Entdeckung und Erfindung schräger Schönheit. Sie bestechen durch Leichtigkeit und Selbstironie. Rudolph, 1975 in Warschau geboren und in Leipzig aufgewachsen, studierte Germanistik, Philosophie und Slawistik. Sein Debütband fluglärm über den palästen unsrer restinnerlichkeit (2009) erhielt wie seine Übersetzungen des polnischen Lyrikers Tadeusz Dabrowski eine Platzierung auf der SWR-Bestenliste. Rudolph lebt im Leipzig und erhielt u.a. den Kranichsteiner Literaturförderpreis und dem Lyrikpreis Meran 2010. 2012 erschien sein Gedichtband confessional poetry bei luxbooks.

melkbook mit Christian Buck (elektrischer Bass) und Alex Goretzki (Klavier) setzt auf stil- und spartenübergreifende Performances, basierend auf Eigenkomposition und Improvisation. Das Duo erarbeitet Konzerte, Filmmusik und Hörspiele, bei denen akustische und elektronische Vorgehensweisen sich ergänzen, z.B. 2010 das Projekt Listen Tagore Hoeren,  2009 Notes From the Pool, eine Performance im Hallenbad City Zürich, oder 2008 die Trilogie Im Treibeis Bengalens. Beide leben als freischaffende Musiker, Komponisten und Perfomer. Goretzki in Oldenburg, Buck in Zürich.

Zum Lyrikfest erscheint die vierte Ausgabe unserer Zeitschrift Gegenstrophe. Blätter zur Lyrik im Wehrhahn Verlag Hannover. Herausgegeben von Michael Braun, Kathrin Dittmer und Martin Rector. www.wehrhahn-verlag.de


Eintritt: 8,- / erm. 6,- Euro



Hinweise:

Montag, 10.09.12, 20.00 Uhr
Sven Hillenkamp zu Gast im Literarischen Salon

Leibniz Universität Hannover
Königsworther Platz 1
Nach dem großen Erfolg von Das Ende der Liebe, überrascht Sven Hillenkamp mit einem Buch, das alle Genregrenzen sprengt: Fußabdrücke eines Fliegenden ist ein langes Prosagedicht, das Erzählungen und Lyrik, Szenen und Bilder zu einem poetischen Geflecht vereint.

Mittwoch, 12.09.12, 20.00 Uhr
Verleihung des Hölty-Preises an den Lyriker Christian Lehnert

Die Landeshauptstadt Hannover und die Sparkasse Hannover laden zur Verleihung des mit 20.000 Euro dotierten Hölty-Preises für Lyrik ins Landesfunkhaus am Rudolf-von-Bennigsen-Ufer ein. Die Laudatio auf den Preisträger hält Sebastian Kleinschmidt, Chefredakteur der Literaturzeitschrift Sinn und Form. Medienpartner ist NDRkultur.