Veranstaltungs-Archiv

14.02.17 - 19.30 Uhr – Literaturhaus Hannover

Klartext: Christoph Türcke

"Luther. Steckbrief eines Überzeugungstäters"

Moderation: Stephan Lohr

Christoph Türcke, der Evangelische Theologie und Philosophie studiert hat und bis 2014 als Professor für Philosophie in Leipzig lehrte, hat sich in zahlreichen Büchern mit gesellschaftskritischen und ganz gegenwärtigen Themen auseinandergesetzt: mit den Grundlagen des Fundamentalismus, mit Gewalt und Tabu, unserer Aufmerksamkeitsdefizit-Gesellschaft oder der fragwürdigen Lernkultur an unseren Schulen. Doch immer wieder waren auch theologische Themen Inhalt seiner Schriften. Nun, zum 500. Jubiläumsjahr der Reformation, nimmt er Martin Luther und dessen Erbe mit durchaus kritischen Blick ins Visier.

Auf dem Reichstag zu Worms trotzte Luther Kaiser und Reich und berief sich dabei auf nichts als sein Gewissen und seine Glaubensüberzeugung. Doch diese Überzeugung gebar auch Ungeheuer. Seine Ausfälle gegen aufrührerische Bauern, gegen Juden und Hexen kamen aus dem Herzen seines Glaubens und zeigen den gnadenlosen Untergrund seiner Gnadenlehre. Gefeiert wird Luther als Wegbereiter moderner Gewissensfreiheit. Aber war seine Reformation nicht vielmehr ein Durchbruch zu spezifisch neuzeitlichen Gewaltverhältnissen? Die Verinnerlichung von Herrschaft aus Überzeugung ist jedenfalls eine signifikant protestantische Mitgift.

Christoph Türcke, geb. 1948 in Hameln, studierte Evangelische Theologie und Philosophie in Göttingen, Tübingen, Zürich und Frankfurt a.M. und habilitierte sich 1985 im Fachbereich Philosophie. Von 1993 bis 2014 war er Professor für Philosophie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Türcke hat zahlreiche Bücher veröffentlicht und wurde ausgezeichnet mit dem Sigmund-Freud-Kulturpreis 2009.

Stephan Lohr, geb. 1950, studierte Literatur- und Sozialwissenschaften und war Redakteur beim NDR, wo er viele Jahre die Abteilung Kulturmagazine leitete und von 2008 bis 2014 die Literaturredaktion von NDR Kultur.

Eintritt: 10,- / 6,-