Veranstaltungs-Archiv

30.05.17 - 19.30 Uhr – Literaturhaus Hannover

Heinrich Detering über den Poeten Bob Dylan

"I’m a poet, and I know it, hope I don‘t blow it"

Kein anderer Künstler hat die Entwicklung der Song-Poesie über die letzten fünf Jahrzehnte so nachhaltig und einfallsreich bestimmt wie Bob Dylan. Unzählige Alben und Generationen prägende Songs wie Like a Rolling Stone, Don´t think twice oder Knockin‘ on Heaven’s Door sprechen davon. Mit ihren Metaphern, literarischen Querbezügen und surrealistischen Wortkaskaden haben seine Songtexte der Rockmusik eine neue Dimension gegeben. Im Oktober 2016 wurde Dylan, der sich musikalisch und stilistisch immer wieder neu erfindet, als erstem Songwriter überhaupt der Literaturnobelpreis zugesprochen.

Heinrich Detering ist nicht nur einer der einflussreichsten deutschen Literaturwissenschaftler, Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und selbst Lyriker, sondern gilt überdies als der Dylan-Kenner. In verschiedenen Büchern zeichnete er Leben, Werk, Rollen- und Stilwechsel des Mannes nach, den Leonard Cohen den "Picasso of Song" nannte.

Schon in seinen frühen Jahren verstand Bob Dylan sich sowohl als Songwriter als auch als Lyriker. Seinen Platten gab er komplette Gedichtzyklen bei, seine Texte erschienen in Zeitschriften oder wurden von ihm im Konzert rezitiert. Die Lyrik verband seine Songs mit den literarischen Traditionen Rimbauds, Brechts, der Beat Poets. Jüngst hat Heinrich Detering eine Auswahl von Dylans Gedichten übersetzt und unter dem Titel Planetenwellen (planet waves) herausgegeben - ebenso wie Dylans surrealistisches, melodisches und wildlebendiges Debüt Tarantel, eine Mischung aus experimentellem Roman und Prosagedicht.

Kenntnisreich und pointiert richtet Detering den Fokus auf Dylans Poesie und einen Seitenblick auf das Verhältnis zwischen Lyrik und Lyrics des Literaturnobelpreisträgers.

Heinrich Detering, geb. 1959, ist Professor für Neuere deutsche Literatur und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Göttingen. Er hat zahlreiche Studien, Essays und eigene Gedichtbände veröffentlicht, nahm Gastprofessuren und Poetikdozenturen in aller Welt wahr und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Leibniz-Preis der DFG und den Hans-Christian-Andersen-Preis.

Eintritt: 10,- / 6,-