Veranstaltungs-Archiv

29.03.17 - 19.30 Uhr – Literaturhaus Hannover

Feridun Zaimoglu

"Evangelio"

Moderation: Joachim Dicks

4. Mai 1521 bis 1. März 1522: Martin Luther hält sich auf der Wartburg auf. Gänzlich unfreiwillig, denn er ist auf Geheiß des Kurfürsten von Sachsen in Gewahrsam genommen worden. Dort sieht er sich größten Anfechtungen ausgesetzt, vollbringt aber auch sein größtes Werk: In nur zehn Wochen übersetzt er das Neue Testament ins Deutsche.

Feridun Zaimoglu, den wir bislang mit Romanen von den Schnittstellen europäischer Kulturen der Gegenwart kennen, wartet mit einem Roman über den Bibelübersetzer Luther auf. Doch das überrascht nur auf den ersten Blick! Einmal mehr gibt der vielfach ausgezeichnete Autor hier der Sprache eine Hauptrolle. Mit klingender Sprache, Kenntnisreichtum und dramatischer Zuspitzung erzählt er von einer Zeit im Umbruch und der Macht und Ohnmacht des Glaubens.

Mit Evangelio begibt sich Zaimoglu in die Zeit und in die Kämpfe, die Luther auszufechten hat und in der unsere Sprache geprägt wurde. Dazu bedient er sich eines Ich-Erzählers, der zwar eine erfundene Figur, aber äußerst faszinierend ist: Landsknecht Burkhard, ein ungeratener Kaufmannssohn, ist Martin Luther zum Schutz an die Seite gestellt. Seine Perspektive ist es, die den Blick auf das Leben, das Streben und die Qualen des Reformators eröffnet.

Feridun Zaimoglu, geb. 1964 im anatolischen Bolu, studierte Kunst und Medizin in Kiel, wo er seither als Schriftsteller, Maler und Journalist lebt. Er schreibt für die Welt, FR, Die Zeit und FAZ und erhielt für sein literarisches Werk (Romane wie Leyla, Liebesbrand und zuletzt Siebentürmeviertel) u.a. den Corine-Preis 2008, den Preis der Literaturhäuser 2012 und den Berliner Literaturpreis 2016.

Joachim Dicks, geb. 1966 in Krefeld, studierte Philosophie, Germanistik und italienische Philologie in Köln und Bologna. Anschließend arbeitete er als freier Autor und Journalist für die ARD und das ZDF und ist seit 2003 Redakteur bei NDR Kultur.

Eintritt: 10,- / 6,-