Veranstaltungs-Archiv

27.04.16 - 19.30 Uhr – Literaturhaus Hannover

Die Empfehlung: Nis-Momme Stockmann

„Der Fuchs“

Moderation: Jutta Rinas

Finn Schliemann rettet sich auf ein Dach, als die norddeutsche Kleinstadt Thule, in der er aufgewachsen ist, von einer gewaltigen Flut überrascht wird. Über den Trümmern seiner Heimat, unter brennender Sonne und mit dem Lärm des Wassers im Ohr beschwört er die verdrängten Bilder seiner Kindheit herauf: Finn hat einen toten Vater, einen behinderten Bruder und wenige Freunde. Einzig Tille, ein wachstumsgestörter Albino, Diego, ein fetter Junge, dem ein Zeh fehlt, und der für sein Alter riesige Baumann geben sich mit ihm ab. Als Finn eines Nachmittags in die Hände der örtlichen Rowdys zu geraten droht, tritt Katja auf den Plan und in sein Leben. Sie ist phantasievoll, selbstbewusst und mutig.

Die Geschichten, die sie sich ausdenkt, bereichern Finns Welt: Sie selbst sei Zeitreisende, Thule ein bedeutungsvoller mystischer Ort, eine Achse im Raum-Zeit-Gefüge, die von einer Gruppe von Männern überwacht werde, um den Verlauf der Geschichte gemäß einer geheimnisvollen Agenda zu gewährleisten. Doch was als Spiel beginnt, dringt immer tiefer in ihr Leben: Sie entdecken Symbole auf Wänden, im Dorf lebende Männer tauchen auf 100 Jahre alten Fotografien auf, und Finns sprachunfähiger Bruder formuliert orakelhafte Hinweise. Katja treibt dieses Spiel auf die Spitze und landet schließlich in der Psychiatrie. Erst Jahre später, auf dem Dach gestrandet, greift Finn ihre Geschichten wieder auf. Denn Katja hat diese Flut kommen sehen.

Der erste Roman des Theaterautors, der auch schreibt, fotografiert, malt und filmt und dessen Stücke auf allen großen Bühnen gezeigt werden - in Hannover zuletzt Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir, inszeniert von Lars Ole Walburg - , ist die besondere Lese-Empfehlung des Literaturhauses und der HAZ-Literaturredakteurinnen Jutta Rinas und Martina Sulner.

Nis-Momme Stockmann, geb. 1981 auf Föhr, schreibt seit 2009 für das Theater. Sein Werk wurde nicht nur vielfach ausgezeichnet, sondern auch in viele Sprachen übersetzt. Er erhielt den Friedrich-Hebbel-Preis 2011, Hermann-Sudermann-Preis 2015 u.v.a.

Jutta Rinas, geb. 1963 in Mannheim, studierte Klavier, Musikwissenschaft und Germanistik und arbeitete für den WDR und die FR. Seit 1997 ist sie Redakteurin bei der HAZ.

Eintritt: 10,-/6,- Euro