Veranstaltungs-Archiv

08.04.11 - 19.30 Uhr – Literaturhaus Hannover

„Der alte König in seinem Exil.“ Vom Leben mit Demenz und vom Altern in Würde

mit Arno Geiger und Helge Frieling

 

Reihe Resonanzen
Moderation: Martina Sulner

Ein alter Mann bekommt seinen Hut gereicht, er bedankt sich und fragt nach seinem Gehirn. Man versichert ihm, es sei unter dem Hut. Der alte Mann erwidert: „Das wäre aber ein Wunder.“ Arno Geiger beschreibt surrealistisch anmutende Momente mit seinem an Alzheimer erkrankten Vater, die in ihrer Komik befreiend sind, dahinter aber auch Verzweiflung spüren lassen.

In seinem tief berührenden Buch Der alte König in seinem Exil versucht Geiger, die neue Welt seines Vaters zu verstehen, schließt nochmals Freundschaft mit ihm und begleitet ihn viele Jahre. In den nur scheinbar sinnlosen, oft wunderbar poetischen Sätzen des Vaters entdeckt Geiger, dass es auch im Alter in der Person des Vaters noch alles gibt: Vitalität und Witz, Selbstbewusstsein und Würde.

Die Gesellschaft wird immer älter, immer mehr Menschen erkranken an Demenz. Wie nun gehen wir angemessen mit dem um, was Geiger „das gebrechliche Gehirn“ nennt? Wie kann man die „alten Könige und Königinnen in ihrem Exil“ in Würde altern lassen? Über diese und andere Fragen spricht Arno Geiger mit Helge Frieling, Professor für Psychiatrie an der MHH, der auch lange Zeit in der Gedächtnissprechstunde tätig war.

Arno Geiger, geb. 1968, lebt in Wolfurt und Wien. Er studierte Literaturwissenschaft und Geschichte und ist seit 1993 freier Schriftsteller. U.a. erhielt er den Hölderlin-Förderpreis 2005, den Deutschen Buchpreis 2005 und den Hebel-Preis 2008.

Helge Frieling, geb. 1977, ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und seit 2009 Professor für Molekulare Psychiatrie an der Medizinischen Hochschule Hannover (Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie).

Martina Sulner, geb. 1961, hat als Journalistin u.a. für Spiegel Spezial und FR gearbeitet und ist seit 2000 Literaturredakteurin bei der HAZ.

In Zusammenarbeit mit der HAZ.

Eintritt: 8,- / erm. 6,- Euro