Veranstaltungs-Archiv

26.05.16 - 19.30 Uhr –

Saša Stanišic

"Fallensteller"

Moderation: Joachim Dicks

Saša Stanišic hat neue Geschichten geschrieben: über Streit, Krieg und Betrug, Ganoven und Liebende, Geflüchtete und Gealterte, Unternehmensberater und Hirten im Hochgebirge.
Wo Menschen sind, sind Fallen. Dies sind Geschichten über die, die Fallen stellen, über die, die sich locken lassen, über die, die sich befreien. Georg Horvath ist einer von ihnen. Er hat aus Liebeskummer ein Gedichtband unter Pseudonym veröffentlicht. Jedes Gedicht steht für einen Tag der gescheiterten Beziehung, es waren 50 Stück, und die Lektorin, eine sehr alte Frau, die zu dem einzigen persönlichen Treffen ihre eigenen Teebeutel mitbrachte, sprach von Anfang an von seiner „Kriegslyrik“, und Georg Horvath korrigierte sie nicht, weil es ihm erstens gefiel, dass jemand etwas so völlig Anderes darin las, als er geschrieben und gemeint hatte, es waren ja nicht einmal wütende Gedichte, und zweitens, wenn jemand so uralt ist und noch Freude am Leben hat, dann korrigierst man ihn nicht, dem lässt du jeden freudigen Irrtum, jedenfalls heißt der Gedichtband jetzt „Bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht“, das war ihre Idee, und Georg Horvath sagte, dass er den Titel sehr, sehr gut fand...
Saša Stanišic, geb. 1978 in Višegrad in Bosnien-Herzegowina, kam 1992 mit seiner Familie auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg nach Deutschland. Er ging in Heidelberg zur Schule, studierte dort Deutsch als Fremdsprache und Slawistik und ab 2004 am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Sein Debütroman Wie der Soldat das Grammofon repariert begeisterte Leser und Kritik gleichermaßen und wurde in 31 Sprachen übersetzt. Vor dem Fest war ein SPIEGEL-Bestseller und ist mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden, darunter dem renommierten Alfred-Döblin-Preis sowie dem Preis der Leipziger Buchmesse 2014. Stanišic lebt und arbeitet in Hamburg.
www.kuenstlicht.de

Joachim Dicks, geb. 1966 in Krefeld, studierte Philosophie, Germanistik und italienische Philologie in Köln und Bologna. Anschließend arbeitete er als freier Autor und Journalist für die ARD und das ZDF und ist seit 2003 Redakteur bei NDRkultur.

Eintritt: 10,- / erm. 6,- Euro