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Buchtipp – Dezember 2018

Wolf Haas, „Junger Mann“ (Hoffmann und Campe 2018)

Wie gelingt es einem pubertierenden, dicken Jungen, den viele für ein Mädchen halten, während eines Ferienjobs sein eigenes und das Leben von mehreren Erwachsenen in die richtigen Bahnen zu lenken? Davon erzählt Wolf Haas in seinem neuesten Roman.

© Hoffmann und Campe Verlag

Nein, Wolf Haas´ „Junger Mann“ ist kein Brenner-Krimi. Stattdessen ist dem österreichischen Autor auf geniale Weise ein ebenso lebenskluger wie komischer Rückblick auf die Jugenderlebnisse eines dreizehnjährigen Jungen gelungen, der in den 1970er Jahren nicht nur gegen sein Übergewicht kämpft. Vielmehr muss er auch mit diversen Hindernissen auf dem Weg zum Erwachsenwerden fertigwerden: mit einer fürsorglichen, aber stets pessimistischen Mutter, einem sympathischen Versager als Vater, der ersten großen Liebe zu einer verheirateten Frau und mit den Erlebnissen als Beifahrer des Lkw-Fahrers Tscho bei einer Tour nach Griechenland.

Wie Wolfgang Herrndorfs „Tschick“ ist auch Haas´ „Junger Mann“ mehr als nur ein Jugendbuch, sondern eine äußerst gelungene Synthese aus Bildungsroman und Roadnovel, die das Zeug zum Kultbuch auch und gerade für erwachsene Leser hat. Verantwortlich dafür ist vor allem die raffinierte, hintersinnige Erzähltechnik, die den ebenso intelligenten und lebenshungrigen wie unsicheren Ich-Erzähler mit lakonischem Sprachwitz ausstattet, ihn das wiederholte Scheitern seiner Pläne voller Selbstironie offenbaren lässt – und den Leser mit einer gelungen Schlusspointe überrascht.

 

Von: Beatrice le Coutre-Bick, Literaturbüro Westniedersachsen