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Buchtipp – Dezember 2019

Tanja Langer: Meine kleine Großmutter & Mr. Thursday oder Die Erfindung der Erinnerung (Mitteldeutscher Verlag, August 2019)

Träumen, Erfinden, Erinnern: Eine kleine große Frau, das englische Kino und die britische Besatzungszeit 1945-1949

© Mitteldeutscher Verlag

„Groß ist die Kraft der Erinnerung, die Orten innewohnt.“ Dieses Cicero-Zitat ist Tanja Langers aktuellem Roman vorangestellt und es verrät, dass es darin nicht nur um die Lebensgeschichte einer besonderen Frau geht, sondern dass in der Handlung um das englische Kino und die britische Besatzungszeit 1945-1949 historische Ortsbezüge eine wichtige Rolle spielen. Ebenso wie in Lüneburg und Osnabrück, prägten die britischen Besatzungseinheiten noch bis vor wenigen Jahren das Leben vieler deutscher Städte mit. Die zentrale Figur der mit sprachlicher Eleganz und viel Wärme erzählten Geschichte ist die kleine große Ida, Großmutter von Linda. Die Übersetzerin mit Hang zum Orientalischen hat es nach Lüneburg verschlagen. Dort lebte ihre Großmutter, die sie kaum je gekannt hat, unmittelbar nach dem Endes des Zweiten Weltkriegs, geflohen aus Oberschlesien, verwitwet und mit fünf Kindern. Ida, knapp eineinhalb Meter groß, verliert ihren Mann, schrubbt Wäsche für die Tommys, und begegnet Mr. Thursday, dem Direktor des englischen Kinos. Sie fängt bei ihm im „Astra Cinema“ an und merkt vor lauter Faszination für die Filme kaum, dass er sich in sie verliebt. Sie und ihre Kinder boxen sich durch Hunger und Armut als „Flüchter“, immer mit der Kraft der Träume und der Liebe. Indem Linda aus Sehnsucht nach der Großmutter, die sie nicht hatte, zu deren Erzählerin wird, durchlebt sie selbst eine tiefgreifende Veränderung. Ein bewegender Roman, der als spannende Spurensuche und anrührende Lebensgeschichte zugleich in den Bann zieht. 
Tanja Langer, geb. 1962 in Wiesbaden, studierte Vergleichende Literaturwissenschaften, Politologie, Kunstgeschichte und Philosophie in München, Paris und Berlin. Sie inszenierte zahlreiche Theaterstücke, publizierte in großen Tageszeitungen und veröffentlichte Erzäh-lungen, Hörspiele und Romane, zuletzt „Der Tag ist hell, ich schreibe Dir“ (2012, als Hörbuch mit Eva Mattes, 2019) und „Der Maler Munch“ (2013). Sie schreibt für bildende Künstler und Neue Musik, u. a. das Libretto für die Oper „Kleist“ von Rainer Rubbert (2008). Sie lebt in Berlin. 


Buchtipp von Beatrice le Coutre-Bick
Literaturbüro Westniedersachsen 
 

Von: Literaturbüro Westniedersachsen