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Buchtipp – Juni 2019

Spirou trifft Felix Nussbaum

Die Kult-Comicserie macht Geschichte lebendig

© Carlsen Verlag

Bereits seit dem Jahr 1939 haben zahlreiche Comiczeichner von Rang in der Comic-Reihe um Spirou und seinen Freund Fantasio eine große Fangemeinde zu begeisterten Lesern gemacht. Berühmt geworden ist die Reihe unter anderem auch durch das Marsipulani, ein Fantasie-Tier mit einem meterlangen Schwanz, der ihm beeindruckend akrobatische Beweglichkeit verleiht.
Nun ist Emile Bravo in der Spirou-Reihe ein weiterer Clou gelungen. Der hochtalentierte, namhafte Comiczeichner mit spanisch-französichen Wurzeln entdeckte den jüdischen Maler Felix Nussbaum zufällig in einem Buch, das ihm ein Freund schenkte. Sehr schnell war ihm klar: der in Osnabrück geborenen Maler, der Ende der 30er Jahre mit seiner Frau Felka Platek in Brüssel vor den Nazis untertauchen musste, war genau das, wonach er gesucht hatte: eine reale Figur, an deren Beispiel er die vom Nationalsozialismus geprägte Zeit lebendig werden lassen konnte. In seinen Bildern, die im Comic der Figur Fantasio ob der maskenhaften Selbstportraits zunächst nur ein albernes Kichern entlocken, nahm der jüdische Künstler mit viel feinfühliger Vorahnung das Grauen vorweg, das in Auschwitz kulminieren sollte, wo Nussbaum und seine Frau 1944 ermordet wurden. Am Beispiel von Felix Nussbaum und Felka Platek lässt Bravo ein dunkles Kapitel Geschichte lebendig werden und zeigt eindrucksvoll auf, wie sehr die Angst das Leben der Menschen bestimmte. Zudem ist es ein Anliegen Bravos, mit dem Comic auf den Künstler Felix Nussbaum aufmerksam zu machen, der außerhalb Deutschlands bisher vor allem in Kennerkreisen bekannt ist. Ein höchst spannungsreiches Projekt, das nicht nur eingefleischte Spirou-Fans in seinen Bann schlagen wird. Eine gute Nachricht für die, die der Band „Spirou trifft Felix Nussbaum“ begeistert: in den kommenden Jahren sind weitere Bände geplant.

Carlsen Verlag, Hamburg, 2018

Von: Literaturbüro Westniedersachsen