Buchtipp des Monats

Buchtipp – August 2020

Masih Alinejad: „Der Wind in meinen Haaren”

„Der Wind in meinen Haaren: Mein Kampf für die Freiheit im modernen Iran” behandelt die Geschichte einer iranischen Frau, hat dabei aber so viel über das Leben vieler Frauen im Iran zu erzählen.

Masih Alinejad, heute die Ikone des Frauenrechtsaktivismus im Iran, gewährt Einblick in ihr Leben und ihre Kämpfe in dieser autobiographischen Abhandlung, die so gefühlvoll, aufrichtig, mutig und stark ist wie Masihs eigener Charakter. In den frühen Phasen des Buches bekommen wir bereits eine Vorstellung von der Situation, mit der sie sich befassen musste: Sie wurde 1976 in einem kleinen konservativen Dorf im Iran geboren und musste ihre Jugend unter der strengen Unterdrückung der Islamischen Republik verbringen, welche gerade an die Macht gekommen war. Masih entspricht weder den sexistischen Normen ihrer Familie noch den politischen Beschränkungen. Als Teenager wurde sie bereits wegen politischen Engagements verhaftet und von der Gemeinschaft als Schande betrachtet, weil sie außerehelich schwanger geworden war. Daraufhin sah sie sich gezwungen zu heiraten, ließ sich aber alsbald wieder scheiden, wodurch sie das Sorgerecht für ihren geliebten Sohn verlor. Gleichzeitig begann sie ihre Karriere in Teheran als Journalistin und wurde verfolgt, als sie Beweise für die Korruption des Parlaments enthüllte. Sie musste das Land sofort verlassen und verleiht seither jenen ihre Stimme, die täglich Ungerechtigkeit, Gewalt und Diskriminierung ausgesetzt sind, deren Stimme jedoch brutal zum Schweigen gebracht wird.


Masih erzählt auch die Geschichte der Online-Kampagnen, die sie gegen den obligatorischen Hijab gestartet hat, unter anderem “My Stealthy Freedom” und “White Wednesdays”, wo sie Frauen einlädt, Fotos und Videos von sich selbst ohne Hijab zu veröffentlichen und auszudrücken, wie sie sich mit dem Zwang fühlen. Zudem lädt sie auch Männer zur Unterstützung ein. Ihre Kampagnen hatten in den letzten Jahren enormen Einfluss im Iran, indem sie das herrschende Regime herausgefordert und dessen wahres schreckliches Gesicht entblösst haben, was in der Folge Masihs eigenes Leben immer wieder in Gefahr gebracht hat. Zudem wurde es für Masih immer schwieriger Kontakt zu ihrer Familie zu halten, welche sie sehr vermisst.
„Der Wind in meinen Haaren“ ist eine großartige Darstellung der politischen Macht von Frauen, oder besser gesagt, wie nur die Haare einiger weniger Frauen die Macht haben, die Grundlagen eines Systems zu erschüttern und seine Behörden zu erschrecken.

Von: Literarisches Zentrum Göttingen