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Buchtipp – Januar 2019

Julia von Lucadou: "Die Hochhausspringerin"

Was macht den Menschen menschlich, wenn er perfekt funktioniert? In ihrem Debutroman entwirft Julia von Lucadou eine Hochglanzwelt der Zukunft: A perfect new world.

Es gibt die  Stadt und die Peripherien. In der Stadt leben und arbeiten die Menschen unter ständiger Hightech-Überwachung und führen ein effizientes Dasein. Nur Leistung und Anerkennung zählen. In den Peripherien herrschen hingegen slumartige Zustände und Bedeutungslosigkeit. Funktioniert man nicht , muss man die Stadt verlassen und in den Peripherien leben.

Riva ist Hochhausspringerin. A Highrise Diving Star und Millionen Fans bewundern sie. Sie ist einer der perfekt funktionierenden Menschen in der Stadt. Sie springt in ihrem speziell entwickelten Flysuit von Hochhausdächern in die Tiefe, und ohne den Boden zu berühren schnellt sie von dort wieder hinauf in die Höhe, aufs Dach zurück. Ihre Devise ist, viel zu riskieren, um hoch zu fliegen. Je näher sie dem Tod kommt, desto mehr spürt sie sich. Doch nach 15 Jahren will sie nicht mehr, will nicht mehr bereitstehen für Sponsorenverträge und Fotoshootings. Doch Hitomi soll das verhindern. Die  junge Frau wird von ihrer Firma, einer Agentur aus Wirtschaftspsychologen, beauftragt Riva zu motivieren weiterzumachen. Versagt sie, droht auch ihr die Ausweisung in die Peripherien.

Mit Faszination und Unbehagen erfahren wir die Geschichte von Riva erzählt aus der Perspektive von Hitomi. Julia von Lucadou beschreibt in einer kühlen distanzierten Sprache eine Welt, in der Erfolg, Karriere und Reichtum mit extremer Überwachung und Kontrolle bezahlt werden. Menschlichkeit und Gefühle sind nicht gefragt. Privatsphäre gibt es nicht. Sie zeigt uns, welche möglichen Zustände durch eine übermächtige Technik Realität werden könnten. Der Roman fasziniert als kühle Zukunftsvision und zeigt zugleich eine Welt, in der wir beinahe leben.

Julia von Locadou, 1982 geboren, ist promovierte Filmwissenschaftlerin. Hat als Regieassistentin und Redakteurin fürs Fernsehen gearbeitet. Die scheinbar ungehemmte Digitalisierung unserer Gesellschaft sagt sie, hat sie zum Schreiben dieses Romans veranlasst.

Julia von Lucadou: Die Hochhausspringerin. Verlag Hanser Berlin, 2018

Von: Ellen Werner, Raabe-Haus:Literaturzentrum Braunschweig