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Buchtipp – August 2018

Julia Rothenburg: Koslik ist krank

In Julia Rothenburgs Debütroman spielt der innere Konflikt eines Mannes, der zur Selbstbeobachtung gezwungen wird, die Hauptrolle.

(c) Frankfurter Verlagsanstalt

Koslik ist krank. Koslik wird ins Krankenhaus eingeliefert. Koslik fühlt sich eigentlich nicht krank, will lieber zurück zur Arbeit, zu seinem Alltag als Volkshochschullehrer in Freiburg. Doch die Ärzte haben anderes mit ihm im Sinn. Sicherheitshalber sollen weitere Tests an ihm durchgeführt werden. Kosliks Selbstbestimmung gerät in die Mühlen des Gesundheitssystems. Im Krankenhaus lernt er andere Patienten kennen. Friese, der regungslos in seinem Bett liegt. Der fröhliche Bude, der nach seiner täglichen Behandlung so schweigsam wird. Und dann ist da noch Frank, Kosliks Kommilitone aus Studentenzeiten, der ewige Konkurrent und das unpassende Gegenstück zum introvertierten Koslik.

Julia Rothenburgs Kammerspiel überzeugt mit der ungewöhnlichen Gestaltung ihres Romans. Die Dialoge sind kurz, die Charakterzeichnungen knapp, aber treffsicher. Gerade durch dieses Zusammenspiel zwischen kurzbündiger Schreibweise und der punktuelleren Charakterzeichnung lässt sich Rothenburgs Debütroman gut lesen. Der innere Konflikt des Protagonisten ist besonders spannend. Bis zu seinem Klinikaufenthalt hat Koslik es geschafft, seinen Problemen aus dem Weg zu gehen. Doch nun in der Klinik, in der er nicht nur rund um die Uhr beobachtet wird, sondern auch selbst in die Rolle des ständigen Beobachters schlüpft, ist er gezwungen, sich mit seinen Entscheidungen und sich selbst auseinanderzusetzen. Die Patienten des Krankenhauses finden sich alle in einer isolierten Parallelwelt wieder, aus dem es für sie kein einfaches Entkommen gibt. Mit Sicherheit spielt in dieser Beobachtung Julia Rothenburgs Soziologiestudium eine wichtige Rolle. Als Leser fragt man sich, wie die Patienten die zahlreichen Tests so widerstandslos über sich ergehen lassen können, doch man weiß genau, dass man sich in dieser Situation kaum anders verhalten würde. Die Suche nach der Ursache der Krankheit oder auch nur der Symptome lässt auch nicht-Kranke an sich zweifeln.

Rothenburgs Debütroman überzeugt mit seiner bedrückenden Atmosphäre, die von der Hilflosigkeit und Resignation Kosliks bestimmt wird.

Julia Rothenburg, 1990 in Berlin geboren, studierte Politikwissenschaften und Soziologie. 2008 war sie Finalistin beim Tagesspiegel Erzählwettbewerb. Sie erhielt Preise beim Wettbewerb Haltlose Prosa der Gesellschaft zur Förderung der Westfälischen Kulturarbeit 2012 und den Retzhof-Preis für junge Literatur 2015. Mit „Koslik ist krank“ schafft sie mit einem ursprünglich als Schreibübung angedachten Text ihren Durchbruch.

Julia Rotheburg: Koslik ist krank. 2017. Frankfurter Verlagsanstalt. Gebundene Ausgabe: 20,00 €.

Von: Raabe-Haus