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Buchtipp – September 2019

Grand Tour

Europa gibt es. Jan Wagner und Ferderico Italiano haben aktuelle Lyrik aus ganz Europa gesammelt – von über 400 Autor*innen: ein tägliches Gedicht für mehr als ein Jahr und viele Entdeckungen!

Auf ihrer "Grand Tour" durch viele Länder und Sprachen, von Albanien bis Zypern, haben die Herausgeber nicht nur die Poesie und Poetik des Kontinents und seiner Inseln eingefangen sondern auch festgestellt, dass sich Europa fassen lässt – in seiner Poesie. Schon beim Blättern im schön gestalteten Band zeigt sich, dass Kultur jenseits aller Grenzziehungen verbindet: Europa zeigt sich es in einer großen Vielfalt und als Ganzes.

Dass nur Autor*innen die frühestens 1968 geboren wurden,  versammelt sind, mag man bedauern oder begrüßen. Sicher kann man vertraute Stimmen vermissen. Doch es geht nicht um eine enzyklopädische Bestandsaufnahme eines Jahrhunderts, sondern um jetzt wirksame Lyrik. Es ist Wagner und Italiano jedenfalls gelungen, einen frischen Blick auf aktuelle Dichtung - und zwar aus nahezu allen europäischen Ländern! - zu werfen.

Alle Gedichte sind im Original und - insofern sie nicht deustch verfasst sind - in der deutschen Übersetzung abgedruckt und man kann täglich für viele Wochen ein Gedicht mit in den Tag nehmen: federleichte und auch tiefgründige, scheinbar zeitlose und eindeutig politische. Nicht nur die für uns ferneren Räume gibt es zu entdecken, auch unter den deutschsprachigen und in der Poesie der Nachbarn sind  neue Lieblingsgedichte zu finden. Wie das von Dagmara Kraus:

gott will immer alles panieren / er wühlt in mehl / und eischleim / und panade //  er pfeift / und singt dabei / und was hier fehlt // das wälzt und würzt er gerade

Federico Italiano und Jan Wagner (Hg): Grand Tour  , 584 Seiten, Hanser Verlag

Von: Kathrin Dittmer, Literaturhaus Hannover