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Buchtipp – November 2018

Christoph Jehlicka: „Das Lied vom Ende“ (Open House Verlag 2018)

Christoph Jehlickas grandioser Debütroman „Das Lied vom Ende“ ist ein vielschichtiges, tragikomisches Buch über die Abenteuer des Zusammenlebens. Feinster Kleinstadtblues!

© Buchcover: Christoph Jehlicka, Das Lied vom Ende (Open House Verlag 2018)

Christoph Jehlicka, 1983 in Delmenhorst geboren, lebt in Hamburg. Nach dem Anglistikstudium und dem Studium des Literarischen Schreibens an der Universität Hildesheim war er zunächst als Werbetexter und Lektor tätig. Inzwischen arbeitet er als freier Autor und Übersetzer. Sein Debütroman erschien 2018 in perfekter Gestaltung bei Open House, einem Leipziger Kleinverlag.

Die Geschichte kreist um ein menschliches Drama: In einer norddeutschen Kleinstadt tötet ein Mann seine Familie und anschließend sich selbst. Klein, wie die Stadt ist, weiß es bald jeder. Und alle spekulieren, wie es dazu kommen konnte. Dennoch hat Jehlicka keinen Roman über einen erweiterten Suizid geschrieben. Die unglaubliche Tat grundiert vielmehr die Geschichte der Familie Schult, denn auch in deren Reihenhaus gerät das Leben aus den Fugen. Die Söhne Ben und Niko, Mutter Ursula und Vater Frank standen auf verschiedene Weise mit der getöteten Familie in Verbindung. Frank hatte eine Affäre mit der Frau des Mörders und Selbstmörders. Sein Job bei einer Spedition ist zudem alles andere als sicher. Ursula erfährt von dem Verhältnis und fragt sich, ob ihre Ehe und die Familie noch eine Chance haben. Ben war in die getötete Tochter verliebt. Und Niko scheint von Anfang an verloren. Nach und nach wird deutlich, dass die eigenen, hausgemachten Probleme der Schultes kaum kleiner sind, als die Schicksalsschläge, die Ihnen durch den erweiterten Selbstmord begegnen.

Angesichts eines so ungeheuren Ereignisses kann auch die Sprache sich nicht in Spielerein ergehen. Sie bleibt knapp und präzise und schafft dennoch Nähe zu den Figuren. Das gelingt Jehlicka, weil er die Kapitel aus den wechselnden Perspektiven der Schultes erzählt. Er stellt sie dabei nicht bloß, sondern macht ihr Handeln plausibel. Und er macht deutlich, dass es kein Entkommen gibt, aus der Provinz. Auch nicht aus dem eigenen Leben.

Von: Monika Eden, Literaturbüro Oldenburg