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Buchtipp – Januar 2018

Asterix in Italien

Ganz Italien ist von den Römern besetzt. Ganz Italien? Im 37. Abenteuer von Asterix und Obelix lassen Jean-Yves Ferri und Didier Conrad ihre Helden erstmals den Rest des italienischen Stiefels – abseits von Rom und den Römern – erkunden. Dabei entdecken sie, dass doch nicht alle Wege nach Rom führen.

Cover (c) Egmont Ehapa Media

Jean-Yves Ferri und Didier Conrad haben 2012 ein fast übermächtiges Erbe angetreten: Die 1959 von René Goscinny und Albert Uderzo erfundenen Figuren Asterix und Obelix, die seitdem in den erfolgreichen Comicbänden zu Klassikern der Comicliteratur wurden und von einer großen Fangemeinde geliebt werden. Nach dem Tod des Texters René Goscinny im Jahr 1977 hatte Albert Uderzo die Reihe als Texter und Zeichner allein fortgeführt, und selbst Fans vermissten in den späteren Bänden den hintersinnigen Witz und die dramaturgischen Fähigkeiten Goscinnys.

Umso höher waren die Erwartungen an das neue Team, dem Albert Uderzo im Jahr 2012 die Feder übergab. Kaum jemand kann so konservativ sein wie langjährige Fans, gleichzeitig aber waren Erwartungen eines jungen Publikums zu erfüllen, das seine Lebenswelt in den Bänden gespiegelt sehen will. Gerade das war zuletzt nicht mehr so gut gelungen, wirkte etwa in „Gallien in Gefahr“ (2005) zu aufgesetzt.

Mit „Asterix bei den Pikten“ (2013) schaffte das neue künstlerische Duo einen hervorragenden Einstand – Asterix und Obelix besuchen ein bis dahin auf der „Asterix“-Landkarte noch nicht „erforschtes“ Land, Figuren und Geschichte überzeugen. In ihrem zweiten Band „Der Papyrus des Cäsar“ (2015) bewiesen Jean-Yves Ferri und Didier Conrad, dass sie mit leichter Hand Anspielungen auf moderne Kommunikation (Internet, mobile Kommunikation) auf das antike Rom übertragen können und dabei den Witz und den Biss der Geschichte erhalten.

In „Asterix in Italien“ machen sich Asterix und Obelix auf in ein bekanntes unbekanntes Land. Waren sie doch in vorherigen Bänden bereits in Rom gewesen, hatten aber noch nicht den Rest der italischen Halbinsel erkundet. Dies entspricht ganz dem Selbstverständnis des antiken Rom als Mittelpunkt der Welt. Asterix und Obelix und damit die Leser lernen, dass nicht ganz Italien von den Römern besetzt ist und dass die anderen italienischen Regionen durchaus so ihren eigenen Kopf haben. Parallelen zur Gegenwart sind natürlich rein zufällig…

Ähnlich wie in „Tour de France“ (1970) bietet ein (Wagen)Rennen durch das Land die Möglichkeit, die Regionen Italiens, ihre Sehenswürdigkeiten und die Menschen vorzustellen – der Band strotzt nur so vor Anspielungen auf Kunst, Kultur, regionale Eigenheiten und bekannte Persönlichkeiten (u.a. Silvio Berlusconi und Sophia Loren). Außerdem treffen die Renn-Teams verschiedener von den Römern unterworfener Völker aufeinander, was weiterhin die Möglichkeit eröffnet, deren regionale Eigenheiten, die zum Teil schon aus anderen Bänden bekannt sind, aber auch aktuelle Anspielungen (etwa auf die Diesel-Affäre) unterzubringen. Schauplatz und die Situation des Rennens sind eine Hommage an Albert Uderzo, dessen Familie aus Italien stammte und der Ferraris sammelt.

Der 37. Asterix-Band, der dritte gemeinsame von Jean-Yves Ferri und Didier Conrad, wurde in Teilen der Presse als ihr bester bezeichnet, vielen gilt er jetzt schon als Klassiker. Die Fans vergleichen gern noch mit den geliebten Klassikern, doch auch bei ihnen kommt das neue Abenteuer ihrer Helden gut weg und die Vorfreude auf den nächsten Band ist groß…

Asterix in Italien. Ehapa 2017. 6,90 €

Links:
https://www.egmont-comic-collection.de/asterix/
http://www.asterix.com/index.php.de

Von: Antje Bohnhorst, Raabe-Haus:Literaturzentrum Braunschweig